WM Aachen: Michael Jung und fischerChipmunk sind Weltmeister

Einzelgold und Mannschaftssilber

Michael Jung (RSG Altheim) hat eine Goldmedaille mehr. In der Aachener Soers krönte sich der dreimalige Einzel-Olympiasieger zum zweiten Mal nach 2010 zum Weltmeister in der Vielseitigkeit. Mit seinem Ergebnis trug er gleichzeitig auch zum Silbergewinn des deutschen Teams hinter Großbritannien bei.

Von Beginn an liefen die Weltmeisterschaften in Aachen auf ein enges Rennen zwischen dem britischen und dem deutschen Team hinaus. Zur deutschen Mannschaft gehörten neben Michael Jung auch Julia Krajewski mit Uelzener’s Nickel, Malin Hansen-Hotopp mit Carlitos Quidditch K und Libussa Lübbeke mit Caramia FRH. Die Briten schickten nahezu ihr komplettes Goldteam von Paris an den Start und übernahmen bereits in der Dressur die Führung vor Deutschland – zunächst mit hauchdünnem Vorsprung, den sie jedoch trotz des Ausscheidens eines Teammitglieds weiter ausbauen konnten. Daran änderte auch das abschließende Springen trotz zweier Abwürfe der britischen Reiter nichts, denn auch das deutsche Quartett musste Strafpunkte für einen Spring- und einen Zeitfehler hinnehmen. Das bedeutete Gold für Großbritannien und Silber für das deutsche Team um Equipechefin Dr. Annette Wyrwoll. 

Hinter den beiden Spitzenteams lösten sich im Verlauf der WM Neuseeland, Frankreich und die Schweiz auf Platz drei ab. Im Springen machten schließlich die US-Amerikaner das Rennen um Bronze.

An einem aber kam das britische Trio nicht vorbei: an Michael Jung und seinem mittlerweile 18-jährigen fischerChipmunk FRH. Der Reitmeister aus Horb hatte nach der Dressur noch auf Platz drei gelegen, konnte sich aber mit einer schnellen Nullrunde im Gelände an die Spitze setzen. Ein Fehler im abschließenden Parcours war allerdings nicht drin; gerade einmal einen Zeitfehler konnte er sich leisten, ohne diese Position zu gefährden. Und Fehler wurden im Springparcours im großen Soerser Hauptstadion reichlich gemacht. Gerade einmal 13 Paaren gelang eine Nullrunde. Darunter war auch Jungs engster Verfolgerin Rosalind Canter mit Lordships Graffalo, Weltmeisterin von 2018 und Doppeleuropameisterin von 2023, die damit als vorletzte Starterin Einzel-Silber schon sicher in der Tasche hatte. Die Spannung im Soerser Stadion war mit Händen greifbar. Zweimal klapperte es, zweimal ging ein Raunen durch die Tribüne auf Michael Jungs Weg zum Titel – am Ende war es geschafft! Kein Fehler, keine Sekunde zu viel: Null und damit Gold – vor Rosalind Canter und ihrer britischen Teamkollegin, Europameisterin Laura Collett mit London.

„Es war unglaublich, die ganze Woche. FischerChipmunk ist einfach unglaublich. Ich hab so viel Respekt vor dem Pferd. Das ist unwahrscheinlich, wie er Dressur gehen kann, wie er Springen gehen kann, wie er Rennen kann im Gelände, wie er zuhört, wie er die Nerven behält, obwohl er auch ein bisschen aufgeregt ist. Er ist so sensibel, er fängt sofort ein bisschen an zu schwitzen, ist aber trotzdem super konzentriert und lässt sich toll reiten. Das ist gigantisch, wie er geht. Ich bin so dankbar, dass ich so ein Pferd reiten kann, das ist unglaublich!“, kam Jung aus dem Schwärmen nicht heraus.

Michael Jung ist der bisher einzige Vielseitigkeitsreiter, der schon einmal zeitgleich alle drei Titel auf sich vereinigte: Er war Weltmeister (2010), Europameister (2011) und Olympiasieger (2012) mit dem legendären Sam. Mit fischerChipmunk FRH ist er nun Weltmeister und Olympiasieger. Allerdings ist der Hannoveraner bereits 18 Jahre alt. „Wir haben noch gar keine Pläne, er wird immer besser, er strotzt vor Kraft, so wie er hier gesprungen ist, vor allem am Anfang vom Parcours“, sagte Jung. „Ich bin nur am Schwärmen von diesem Pferd.“

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ALRV/Jasmin Metzner